Frage and Sant Thakar Singh: Kannst du uns etwas über die Demut sagen?

Quelle:Sant Thakar Singh; 5.Januar.1979; Sawan Ashram

Sant Thakar Singh: Über die Demut? Das ist ein schwieriges Thema: Demut als erstes, Demut als zweites und Demut als drittes. Demut entwickelt sich langsam durch Verstehen. Demut lässt sich nicht erkaufen, man kann sie auch nicht plötzlich erschaffen; das ist nicht möglich. Wir müssen zuerst einmal versuchen, die Theorie vom Karma zu verstehen, denn dies ist für das Verständnis der Demut sehr wichtig.

Gewöhnlich sind wir die Angreifer. Wir ärgern uns und handeln im Ego; aber wir sollten zuallererst das Wirken Gottes verstehen. Gott ist der einzig Handelnde, nicht wir. Als zweites sollten wir verstehen, dass alles, was wir erleiden und genießen, was wir erhalten und verlieren, gemäß unserem Schicksalskarma geschieht, das wir durch unsere Handlungen in vergangenen Zeitaltern selbst geschaffen und dessen Folgen wir zu tragen haben.

Die wahre Lebensweise ist, dass wir versuchen, innen zu leben, und dann wird auch Demut da sein. Die Demut wird von innen kommen, wenn alles Ego fort ist. Dann ist die Demut da! Zwei Gegensätze vertragen sich nicht. Wenn Tag ist, kann nicht Nacht, wenn Nacht ist, kann nicht Tag sein. Wenn Ichsucht, wenn Gemüt da ist, kann es niemals Demut geben. Entfernen wir das Ich und das Gemüt, kommt Demut zum Vorschein. Dann ist auch Bescheidenheit da, und wo Bescheidenheit ist, ist Gott. Gott wird nie dort sein, wo es Ichsucht gibt.

Im Adi Granth steht geschrieben: "Du wirst auf dem Pfad niemals Fortschritte machen, wenn du im Ego handelst." Doch jetzt ist der Weg auch mit dem Ego möglich. (Meister lacht.) Es ist jedoch so eingerichtet, dass das Ego auf dem Pfad immer mehr abnimmt. In früheren Zeiten wurden nur die Seelen, die es verdienten, auf den Weg gestellt. Sie waren ganz rein, empfänglich und dafür geeignet; aber in der heutigen Zeit wird Spiritualität jedem gegeben, der etwas Neigung und Sehnsucht danach hat. Sie wird gewährt, und danach wird jede weitere notwendige Arbeit vorgenommen, wie die gleichzeitige Reinigung. Die Menschen werden gebeten, in dieser Hinsicht voranzustreben und mit der Arbeit fortzufahren. So werden sie nach und nach geläutert und gelangen gleichzeitig immer höher und höher. In diesem Zeitalter können wir nur auf diese Weise errettet werden, es gibt keinen anderen Weg.