Quelle: Sant Thakar Singh; Vortrag am 9. Mai 1994, Frankreich

Sant Thakar Singh: Sammelt eure Schätze im Himmel...

Es ist ein großer Segen für uns und wir können darauf stolz sein, dass wir jemanden haben, der uns in einem solchen Ausmaß liebt, wie es niemand sonst kann. Es gibt viele Beispiele von Meistern, die ihre Anhänger liebten und für sie lange, lange Zeit litten. Und was tut der Meister für gewöhnlich? Wenn er jemanden annimmt oder initiiert oder jemanden nur ansieht, muss er aus demjenigen Leiden, Probleme, Sorgen und Krankheiten herausnehmen, alles auf sich laden und es selbst tragen. Mehr oder weniger befreit er den Initiierten, den Ergebenen, von einigen oder von allen Leiden - je nach dessen Liebe und Hingabe. Wie sehr der Initiierte an den Meister glaubt und ihn liebt, spielt also auch eine Rolle. Und wie sieht dann das Leben eines Meisters aus? Er muss unter dem, was von seinen Ergebenen kommt, nur leiden. Was erhält er von ihnen? Bekommt er irgend etwas von ihnen? Nein! Was könnten die Schüler ihm geben?

Manchmal mögt ihr vielleicht sagen, dass ihr dem Meister etwas Geld, ein paar Mark spendet oder dass ihr einen körperlichen Dienst für ihn leistet. Aber der Meister selbst braucht diese Dinge nicht, er benötigt sie nicht, er hat endlose, unermessliche Schätze. Wenn ihr zu ihm geht, dann beschenkt er euch. Warum rät der Meister dann, dass ihr körperlich dienen und auch Spenden geben sollt? Das geschieht nur zu eurem eigenen Vorteil. Es ist ein Gesetz, dass ihr am Gewinn eines Geschäftes beteiligt seid, daran Anteil habt, was dieses Geschäft einbringt, wenn ihr euch daran beteiligt habt. Auf die gleiche Weise werdet ihr Teilhaber beim Meister, wenn ihr für ihn körperliche oder finanzielle Dienste leistet. Ihr erhaltet dann euren Anteil an seinen endlosen Schätzen von Glück und Frieden und werdet diesen Anteil immer weiter genießen können.

Es ist dasselbe, wie wenn wir zusammen mit unseren Kindern oder Freunden ein Haus haben oder Teilhaber in einem Geschäft sind: Dann besitzen wir etwas. Machen wir allerdings einen Verlust, dann betrifft er alle! Und dieses ‚Geschäft' mit der Welt führt ausschließlich zu Verlusten, es kann keinen Gewinn einbringen, denn so sind weltliche Geschäfte eben aufgebaut. Wie ein Baum, der größer und größer wird, immer höher und höher wächst, der aber eines Tages von einem Sturm entwurzelt wird und stirbt, oder wie ein Baum, der nach langer Zeit auf natürliche Weise abstirbt und im Nichts endet, der sich in voller Größe entfalten konnte, aber schließlich mit der gleichen Gewissheit vergehen musste, so ist es um jedermanns "Geschäfte" auf dieser Welt bestellt. Es mag sich um unsere Kinder, unsere Familienmitglieder, unsere Freunde, unsere Verwandten handeln: alle unsere Beziehungen und Geschäfte beginnen hoffnungsvoll, unter guten Bedingungen und enden tragisch, im Nichts. Und wir können nur leiden und uns abquälen. Deshalb steht im Adi Granth und auch in der Bibel: "Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie der Rost nicht fressen kann, noch die Diebe nachgraben und stehlen." Dort werden sie nicht verlorengehen, sondern sicher sein. Wenn wir also in eine Wechselbeziehung oder in eine Art Handel mit dem Meister, das heißt mit Gott, eintreten, dann können wir uns wirklich an allem erfreuen und alles genießen.

Durch unseren physischen Dienst werden wir von körperlichen Leiden, Problemen und Schwierigkeiten befreit. In Indien waren schon einige Menschen bei mir, die körperliche Probleme hatten, unter ihnen auch einige Leprakranke. Dort wurde ihnen die Möglichkeit gegeben, körperliche Dienste zu verrichten, und sie wurden gesund. Jede Art von Krankheit, die mit weltlichen Mitteln unheilbar ist, verschwindet, wenn die Kranken zum Dienen im Werk des Meisters unter seinen Anordnungen eingesetzt werden. Nach einiger Zeit werden sie von diesen Krankheiten, Schwierigkeiten oder Problemen vollständig befreit sein.

Wenn wir für das Werk des Meisters etwas Geld spenden, benutzt der Meister davon nichts für sich selbst. Fast alle Meister haben ein sehr einfaches Leben geführt, haben gearbeitet und Geld verdient. Sie leben von ihren eigenen, schwer verdienten Einkünften, die ihre eigenen Bedürfnisse abdecken, und spenden etwas von ihrem Verdienst. Darüber hinaus brauchen sie nichts. Baba Sawan Singh diente beim Militär als Ingenieur, mein Meister hat ebenfalls dreißig oder fünfunddreißig Jahre gearbeitet, und auch ich war berufstätig. Jeder von uns dreien hatte Anspruch auf eine Pension. Ich beziehe jetzt ebenfalls Pension und kann davon, zusammen mit Einkünften aus etwas Besitz, leben.

Einen Teil davon spende ich für das Werk des Meisters; denn was ich anderen zu tun rate, muss ich zuerst einmal selbst tun. Ich leiste körperlichen Seva, finanziellen Seva und meditiere auch. In Ordnung? Seid ihr zufrieden, dass ich ein guter Schüler bin? Vielleicht seid auch ihr gute Schüler? Ihr seid dann gute Schüler, wenn ihr nach dem Willen des Meisters handelt. Ich bin ein guter Schüler, wenn ich den Willen meines Meisters ausführe. Als erstes muss ich also ein guter Schüler sein, nur dann kann ich ein guter Meister sein - nur dann. Zuerst muss man ein gutes Kind sein, um später ein guter Erwachsener zu sein. Ihr solltet also als erstes gute Schüler werden. Der springende Punkt ist also, dass der Meister keinen eurer Dienste für sich selbst braucht, sondern dass sie zu eurem Nutzen, zu eurem Vorteil sind.

Baba Sawan Singh hatte mit einem Heiligen Verbindung, den auch mein Meister besuchte. Sein Name war Baba Khan. Er war ein sehr guter Mensch und wurde als Heiliger bezeichnet. Wir können ihn einen Heiligen nennen, aber er war kein Meister, denn die Aufgabe eines Meisters ist etwas sehr Bedeutendes, sie wird derjenigen Person als besonderer Segen von Gott übertragen. Es kann Tausende und Millionen von Heiligen geben ... denn wen bezeichnen wir als Heiligen? Jemanden, der Gott, der die fünfte Ebene erreicht hat.

Wenn jemand die fünfte Ebene erreicht, kann er ein Heiliger genannt werden; die notwendige Voraussetzung, um als ein Heiliger zu gelten, ist das Erreichen der fünften Ebene. Aber den Grad eines Meisters kann niemand erlangen, auch dann nicht, wenn er bis in die achte Ebene gekommen ist. Selbst dann kann er nicht für sich in Anspruch nehmen, ein Meister zu sein, denn dies ist ausschließlich ein besonderes Geschenk, ein besonderer Segen Gottes. Gott stattet diese Person mit all seinen Kräften aus; erst dann kann jemand als Meister arbeiten. Es kann - nach Gottes Beschluss - nur einen Meister in dieser Welt geben, aber es kann Millionen Heilige geben.

Baba Khan war also auch ein Heiliger. Baba Sawan Singh pflegte ihm den zehnten Teil seiner Einkünfte zu geben. Eines Tages ging er wieder zu Baba Khan und bot ihm wie gewöhnlich zehn Prozent seiner Einnahmen als Spende an. Aber Baba Khan war damit nicht zufrieden. Er verlangte: "Mein liebes Kind, du musst mir zwanzig Rupien mehr geben!" Sawan Singh sagte lächelnd: "Baba, du bist ja habgierig geworden." Khan lächelte ebenfalls und antwortete: "Nein, mein Lieber, ich bin nicht habgierig geworden, ich mache mir nur Sorgen um dich. Ich möchte, dass das Gift, das in deinem Einkommen steckt, beseitigt wird und dir nicht schadet. Es sollte entfernt werden, und was dann übrigbleibt, ist gut und nützlich und wird keine Probleme schaffen."

Baba Khan fuhr fort: "Ich werde dieses Geld nicht für mich behalten. Es gibt Kinder aus armen Familien, die kein Hemd, keine Hose und keine Schuhe besitzen. Ich werde das Geld den bedürftigen Kindern geben. Ich brauche nichts, ich habe genug. Meine Bedürfnisse sind sehr gering, sehr bescheiden. Ich werde ihnen alles geben. Ich will also nichts für mich selbst, aber alle Menschen, die in dieser Welt leben, müssen wenigstens den zehnten Teil ihres Einkommens im Namen Gottes hergeben, damit ihre Einkünfte - ganz gleich, wieviel sie verdienen - keine Quelle von Problemen, Sorgen, Leiden und Krankheiten sind."

Selbst wenn ihr euren Lebensunterhalt auf ehrliche Weise verdient und nichts auf ungesetzliche, unlautere Weise hinzufügt oder unredliche Mittel benutzt, heißt es dennoch in den Schriften, dass all dieser Besitz Gift ist, das euch zerstören wird. In der indischen Mythologie wird erklärt, dass weltlicher Wohlstand wie eine Schlange sei. Eine Schlange hat für niemanden Mitgefühl, sie wird nur jeden vergiften und verderben. Das habe auch ich so erlebt. Immer wenn ich zu Geld kam, ereignete sich irgend etwas Schlimmes, hatte ich entweder einen Unfall oder sah mich einem Problem gegenübergestellt. Alles Geld kam in Begleitung von Problemen, Krankheiten oder anderem Leid. Geld kommt nie ohne Leiden. Ihr stellt fest, dass ihr Geld bekommen habt, und meint, es ausgeben und genießen zu können. Aber es wird nicht zu etwas verwendet werden, das für euch nützlich ist, sondern was unrechtmäßig erworben wurde, wird auf schädliche Art und Weise benützt.

Es ist so, wie wenn einer eurer Freunde zu Besuch kommt, euch etwas wegnimmt und wieder geht. Er wird nicht bei euch bleiben, sondern euch verlassen und auch noch etwas aus eurem Haus mitnehmen. Wohlstand ist auch so ein Freund. Er kommt zu euch, und ihr denkt, er sei ein Freund, und freut euch über euren guten Kameraden, dessen Besuch ihr genießen wollt. Aber dieser gute Freund wird nicht bei euch bleiben. Er wird verschwinden und euch auch noch euren Frieden, euer Glück und andere gute Dinge wegnehmen. Ihr werdet leidend, jammernd und unglücklich zurückbleiben.

Es gibt jetzt einige sogenannte Meister, die nur Meister wurden, weil sie sahen, dass die Meister Berühmtheit erlangten und ihnen viel Geld angeboten wurde. Auch in der Vergangenheit gab es solche Meister, die keine wirklichen Meister waren, sondern von der Negativen Kraft geschickt wurden. Sie betrachten es als ein Geschäft. Und mit welchem Ziel? Damit sie einen Vorteil davon haben und nach ihnen ihre Kinder und ihre Kindeskinder und schließlich die Kinder ihrer Enkelkinder. Deshalb beginnen sie dieses Geschäft, ihr findet solche Fälle auf der Welt. Es gibt sehr viele, sehr viele solcher Leute, die dieses Geschäft betreiben. Der Vater ist ein Meister und erfreut sich am Besitz der Initiierten. Dann vererbt er alles seinem Kind. Dieses übergibt es wiederum dem eigenen Sohn, das heißt dem Enkel des Meisters. Auf diese Weise halten sie es in der Familie, denn sie sind der Meinung: "Das ist etwas Wunderbares, etwas sehr Nützliches. Warum also sollten wir es in die Hand einer anderen Familie geben und nicht in unserer Familie behalten? "

So ist im allgemeinen die Auswirkung von Wohlstand auf dieser Welt, obwohl wir auf ihn angewiesen sind. Aber die rechte Weise, mit ihm umzugehen, ist, ihn nicht als unser eigen zu betrachten. Bietet ihn der Gotteskraft an: "Mein lieber Gott, ich kann das nicht ertragen, ich kann nicht damit umgehen. Es ist ein so scheußliches, furchterregendes Gift, das mich nur töten und zerstören wird. Ich brauche es zwar für das körperliche Leben, dennoch ist es unerträglich. Nimm es und segne es, danach kannst du es mir wiedergeben." Wenn ihr nicht hundert Prozent davon anbieten könnt, sollten es wenigstens zehn Prozent sein, soweit hat Gott es uns freigestellt. Der Meister wird es dann für einen guten Zweck ausgeben. Der Meister benutzt alles, was an Geld zu ihm kommt, zum Wohl der Allgemeinheit. Niemals hat ein Meister Geld von seinen Schülern für seine eigene Familie oder für sich selbst verwendet.