Quelle: Vortrag vom 18.10.1997, Florida, abends, Sant Thakar Singh

Sant Thakar Singh: Was bedeutet es, Gott zu dienen?

Sant Thakar Singh: Tatsächlich können wir ihm gar nicht dienen, wir können ihm kein Sandwich und keinen Saft und auch keine Eiskrem oder Coca Cola anbieten, mit so etwas können wir ihm keine Freude machen, denn er ist niemals hungrig oder durstig, sondern stets vollkommen.

Statt dessen können wir seinen Kindern dienen, die hungrig und durstig sind, die in Leiden und Nöten stecken und unsere Hilfe, unser Mitgefühl, unsere Liebe brauchen und die ohne uns leiden. Indem wir seinen Kindern dienen, dienen wir tatsächlich Gott. Darüber ist er wirklich glücklich, und er wird euch in Überfülle immerzu segnen und segnen.

So könnt ihr also Gottes Segnungen und sein Wohlwollen erlangen und ihm Freude machen, indem ihr ihm nicht direkt, sondern indirekt dient, wenn ihr seinen Kindern helft, die er sehr liebt. Für ihn selbst bedeutet unser Dienst nichts, aber wenn wir jene lieben und ihnen dienen, die er sehr liebt, dann wird er uns dafür großartig belohnen. Seine Kinder zu lieben ist also eine große Tat.

In der Vergangenheit gab es einmal einen Mann namens Agubin Adam. Er wachte in der Nacht auf und sah, dass sein Zimmer erleuchtet war und dass da ein Engel anwesend war, der irgendwelche Papiere bei sich hatte. Er fragte den Engel: "Lieber Freund, was machst du da?" Jener antwortete: "Ich erstelle eine Liste der Ergebenen Gottes, die Gott lieben und ihm dienen." "Ist mein Name auch dabei?" wollte der Mann wissen. "Nein, mein Lieber, das nicht." "Nun, dann bitte doch Gott, dass er dich beauftragt, eine Liste jener Menschen aufzustellen, die seine Kinder, die Mitmenschen, lieben und ihnen dienen." In der nächsten Nacht erschien der Engel wieder, und er fragte ihn: "Hast du Gott um diese Erlaubnis gebeten?" Der Engel sagte: "Ja, ich bat darum, aber Gott stimmte nicht zu." Er zeigte ihm aber die Liste, und da stand sein Name ganz oben in der Reihe der Diener Gottes, die Gott lieben und ihm dienen. Gott habe ihm nämlich erklärt: "Diejenigen, die meine Kinder lieben und ihnen in meinem Namen dienen, sind größer als jene, die mir selbst dienen oder mich lieben."

Meine Lieben, das ist die grundlegende Lebenswahrheit. Haltet euch jedoch an jemanden, der Wissen besitzt. Von einem negativen Menschen ohne Wissen werdet ihr nur etwas Negatives lernen, ihr erhaltet kein Wissen und keine Weisheit, nichts. Wo findet ihr diese? Da, wo Gott ist - das sage ich euch ganz klar und eindeutig. Wenn ihr euch über Millionen von Jahren, Leben um Leben, Bücherwissen aneignet, wird euch das nichts bringen, weil ihr mit diesem Wissen nur etwas zerstören und für andere oder euch selbst Probleme und Schwierigkeiten schaffen werdet. Worin besteht wirkliches Wissen? Darin, wie wir zuerst für andere und auch für uns selbst von Nutzen sein können. Und wer ist ein guter Mensch? Wer nicht für sich, sondern für andere nützlich ist. Wer ist reich? Wer die Armen speist, die nichts haben und hungern, seien es Nachbarn oder andere Leute. Sie werden so einen Menschen alle als einen Reichen bezeichnen. Wenn er nur für sich selbst sorgt und in Freuden lebt, dann ist er keineswegs reich, sondern ein arger Lügner und Betrüger, der Schlechtes tut.

Meine Lieben, wir sollten also anderen von Nutzen sein und für andere leben - anderen in Liebe dienen. Liebt und dient einer dem anderen. Dienen kommt vor Eigennutz, denn wenn ihr anderen dient, wird Gott euch zu Diensten sein. Er wird euch dienen, ihr braucht nicht euch selbst dienen.

Mein Meister erzählte gern die schöne Geschichte vom Gott Vishnu. Mit dieser Gestalt sind die Menschen in Indien gut vertraut. Vishnu lud sowohl die Engel als auch die bösen Wesen zu einem Fest ein. Es war eine allgemeine Einladung, zu der jeder kommen sollte, ob gut oder schlecht. Auf der einen Seite der Tafel saßen nun die Guten, die Engel, und auf der anderen die bösen, negativen Wesen. Er trug allen die Speisen auf, dann wurde erklärt: "Meine Lieben, es ist alles für euch aufgetragen, ihr sollt alles genießen. Ich stelle nur eine Bedingung: Ihr sollt beim Essen nicht eure Arme biegen, sondern mit ausgestreckten Armen essen." Da schauten sich alle ratlos an. Die Engel waren ein wenig nachdenklicher. Sie sagten sich: "Vishnu hat schließlich ein großes Mahl bereitet. Er hat es bestimmt nicht getan, um alles wegzuwerfen. Es muss etwas dahinter stecken." Sie konnten aber nicht herausfinden, was es war. Die bösen Geister aber schimpften recht hitzköpfig: "Der Mann hat uns getäuscht, er hat uns hinters Licht geführt. Wie könnten wir essen, ohne unsere Arme abzubiegen? Wie sollte das gehen?" Und sie warfen Vishnu ihr Essen ins Gesicht, verwünschten und beschimpften ihn und verschwanden mit großem Tumult.

Die Engel aber saßen immer noch da und überlegten, wie die Sache wohl zu lösen sei. Nun gab es aber einen allgemeinen Brauch, zuerst den neben sich zu versorgen, wenn diesen hungerte - Dienen vor Eigennutz. Auch wenn sie selbst essen wollten, konnten sie es ja nicht, ohne ihren Arm abzubiegen. Aber derjenige neben ihnen oder vor ihnen war hungrig, und ihm konnte man zu essen geben. Und so reichte jeder dem anderen etwas und der andere schob seinem Gegenüber ebenfalls etwas in den Mund, und so wurden alle satt, alles wurde aufgebraucht und nichts verschwendet.

Auf diese Weise erteilte Vishnu ihnen die Lehre: "Meine Lieben, bedient euch nicht selbst. Dient zuerst all jenen, die von euch etwas brauchen, dann wird euch ganz von selbst auch etwas gegeben werden. Ihr braucht euch nicht darum zu kümmern. Gott ist da und wacht über alles. Er weiß über alles Bescheid, was vor sich geht, und wird jede Gelegenheit nutzen; er ist kein schweigender Zuschauer. Er ist äußerst wachsam, und er wird genau wissen, was ihr in seinem Namen für seine Menschheit, seine Kinder, für all die Hunde, Katzen oder anderen leidenden Lebewesen tut und was ihr für ein Herz und Mitgefühl für sie habt, und er wird euch segnen. Es ist nicht so, dass ihr auf der Welt bedeutungslos wärt und niemand sich um eure Hingabe und Liebe für jemanden kümmerte. Ihr seid sehr groß, und auf welche Weise? Nur in Gott seid ihr groß, meine Lieben. Das habe ich aus allen großen Mythen der Welt gelernt. Diese mythischen Weisheiten sind nichts Seltsames oder Schwieriges, sondern sie sind sehr praktisch anwendbar. Jeder kann sie verstehen und befolgen. Und wie ist euch das möglich? Durch die göttlichen Vorräte in euch.

Wenn ein König einem Armen alles, was er hat, übergibt und ihn zum Verwalter seiner Schätze macht und sagt: "Gib nur immerzu, gib immerzu all meinen Kindern davon, all jenen, die es brauchen", wo liegt dann eure Schwierigkeit? Gottes Vorräte sind unerschöpflich und unbegrenzt. Ihr könnt sie für euch selbst, für eure Familie, eure Verwandten und Freunde und gar für die ganze Welt verwenden, und sie sogar verschwenden. Gottes Aufgabe besteht nur darin, eure Vorräte immer wieder aufzufüllen. Er wird nicht fragen: "Was machst du denn da?", oder: "Warum gehst du so verschwenderisch damit um und inwieweit hast du sie aufgebraucht?" Er verlangt von euch keine Rechenschaft, sondern er wird stets sagen: "Mein Lieber, deine einzige Pflicht ist es, allen anderen damit zu dienen, zu dienen und zu dienen. Um dich selbst werde ich mich kümmern, für dich trage ich Sorge. Auch für diese anderen wird von mir gesorgt, aber durch dich. Du verdienst deinen Namen oder deine Ehre, weil ich dich damit beauftragt habe." Und dies alles ist für euch kostenfrei, ihr müsst nichts dafür hergeben. Ihr werdet nur geehrt und geehrt werden.

Woher erhält die Sonne all das Licht und alle Wärme, die sie aussendet? Von der großen Quelle, Gott! Doch niemand lobt dafür Gott, alle loben die Sonne. Die Leute haben nämlich eine sehr kurzsichtige Denkweise, und wir Menschen können den wahren Einen, den wahren Handelnden auch nicht richtig preisen. Alles wurde von Ihm geschaffen, und es wurde nichts geschaffen, was nicht von ihm geschaffen wurde. Alles haben wir von ihm bekommen, niemand sonst kann irgend etwas geben. Und auch ihr könnt alles tun. Wenn ihr mit Ihm verbunden seid, könnt ihr alles bewirken, alles ist uns in Gott möglich. Wo liegt dann noch irgendeine Schwierigkeit oder ein Problem, meine Lieben?