Quelle: Sant Thakar Singh; 11.März.1988; Delhi, Indien

Frage:

Einige Satsangis (ind. Begriff für Schüler des Meisters von SAT = Wahrheit und SANGA = Gemeinschaft) sagen, sie hätten gehört, dass du die Meditationen als wichtigste spirituelle Übung ansiehst, Andere wiederum behaupten, du hättest gesagt, der Seva (=Selbstloses Dienen)sei die bedeutendste Aufgabe des spirituellen Lebens. Bitte erkläre diesen offensichtlichen Widerspruch und das Verhältnis der Wichtigkeit beider zueinander.

Sant Thakar Singh:

Sie sind tatsächlich eure beiden Hände: an der einen Hand eure Meditation, an der anderen Hand ist euer Seva. Wenn ihr nicht meditiert, wird der Seva einige Schwierigkeiten mit dem Ego in euch hervorbringen und ihr werdet nicht wirklich Seva tun können. Kommt ihr nur den Meditationen nach und leistet keinen Seva, werden die Segnungen der Meisterkraft nicht verfügbar sein, weil Seva ein direkter Weg ist, die Segnungen des Meisters anzuziehen. Seva können wir perfekt ausführen. In euren Meditationen jedoch werdet ihr niemals vollkommen sein. Bei Seva wisst ihr bereits, wie ihr mit den Händen, den Augen, den Beinen arbeiten könnt, und ihr könnt euch selbst von ganzem Herzen in den Seva einbringen. Ihr vergesst alles andere und kennt nur Seva; denn wir haben Übung darin und können unseren physischen Körper einsetzen. Es ist nur ein Überwechseln vom Dienst an unserer eigenen Familie oder an unserem eigenen physischen Seva zu dem Seva im Werk des Meisters. Das trägt sofortige Ergebnisse. Und ein weiteres Gutes sind gleichzeitig die Früchte der getanen Arbeit.

Der Einfluss der Meditation wirkt sich allmählich aus, meistens im Inneren, und soweit es durchführbar ist, besteht ein geringer Effekt darin, dass der Meister eure Meditationen hier benützt. Sonst wird er eure Meditationen nicht gebrauchen, da sie sehr, sehr kostbar sind. Sie für hier zu verwenden, bedeutete einem blinden Ladenbesitzer euer Gold zu geben. Er wird euer Gold in die Waagschale legen und euch den Wert für Stahl oder Eisen zahlen, denn er hat keine Augen und kann nicht zwischen Gold und Stahl oder Eisen unterscheiden.

In dieser Welt wird der Wert eurer Meditationen also nicht geachtet. Der Meister bewahrt eure Meditationen auf Vorrat, und sie werden zu Gott gebracht, wo sie hoch eingeschätzt werden, wo Gott ihren Wert kennt, und Er wird euch für eure Meditationen wahrhaft segnen.

Wenn ihr um etwas bittet, wie es die Menschen gewöhnlich tun - sie meditieren auf Gott um der Erfüllung eines weltlichen Zieles willen, mit irgendeiner Absicht, der gedient werden soll - so ist das etwas sehr Falsches, etwas sehr Ungünstiges. Wir sollten niemals irgend etwas als Mittel aus den Meditationen erwarten, dass die Meditationen uns etwa mit einer Art weltlicher Belohnung glücklich machen sollen, denn das wäre für uns wirklich ein sehr verlustreiches Spiel. Ihr verliert etwas sehr, sehr Wertvolles. Bittet niemals um eine weltliche Sache für euere Meditationen!

Wenn ihr um weltliche Hilfe nachsuchen müsst, bittet nur den Meister, dass er euch helfen und segnen möge. Er geht auch auf die Art vor, dass er niemals eure Meditationen verwendet. Er möchte nur, dass ihr durch eure Meditationen mit ihm im Inneren immer mehr und mehr verbunden werdet, so dass er euch dadurch von Hilfe sein kann. Er kann und soll euch helfen, und eure Meditationen werden nicht benutzt, denn angesammelt sind sie sehr, sehr heilig, sehr, sehr wertvoll und überaus kostbar, und sie können euch wirklich auf wundervolle Weise segnen.

Im Adi Granth ist beschrieben, dass Menschen, welche die Naam-Kraft hier in dieser Welt benutzen, ihren ganzen Vorrat aufzehren, und wenn sie gehen, finden sie für ihr ewiges Leben nichts mehr vor. Sie verbrauchen alles für dieses kleine Leben. Doch wenn wir einen befugten Meister haben, der seinen Sitz (in uns) einnimmt und unsere Lage beaufsichtigt, dann regelt er es so, dass wir niemals etwas verlieren, und er unterstützt uns aus seinen freien Beständen. Unsere Anhäufung oder Ansammlung von Meditationen wird sicher verwahrt, damit allem, was wir haben, sein wahrer Wert zugemessen wird.

Seva ist auch sehr notwendig. In vergangenen Tagen pflegten die Meister über Jahre hinweg nur Seva und Satsangs zu geben, damit so die Herzen und Gemüter der Menschen mit den positiven Kräften des Meisters angefüllt wurden und das unterbewusste Gemüt von allem Negativen der Welt frei werden konnte. Wenn das Gemüt dann voll von Gotteskraft war, konnte die Initiation erteilt werden. Aber heutzutage wäre das nicht mehr möglich, weil die Menschen so sehr beschäftigt, so arbeitsam sind!

Frage:

Meister, in einem vergangenen Satsang sagtest du, dass das meiste unserer Meditationen benutzt wird, um die allgemeine Atmosphäre dieses Planeten zu verbessern, damit wir uns alle besser fühlen. Dann müssten für dich die Meditationen der allerhöchste Seva sein?

Sant Thakar Singh:

Ja, gewiss! Meditation ist der höchste Seva für die Welt, sogar für die ganze Schöpfung Gottes; denn wir üben die göttliche Meditation aus und das wird die gesamte Lage von Gottes Schöpfung verbessern. Überall wird die göttliche Wirkungsweise stärker werden. Das ist wirklich der beste Dienst, den wir leisten können, und er ist sehr zu empfehlen.

Versucht also, diesen besten Seva für eure Kinder, für euere Familie, für euch selbst und für die ganze Welt zu leisten - für die große Familie! Gut, versucht es, meine Lieben, ihr seid alle Patrioten!

Frage:

Wird denn ein Zustand kommen, wo wir die innere Süße der Verbindung genießen können? Denn es hilft ja, wenn wir die Verbindung und die innere Süße empfinden!

Sant Thakar Singh:

Ja, es gibt einige, die sich erfreuen! Sie schlafen nicht, und Jahre sind schon vergangen, ohne dass sie schliefen. Auch wenn sie sich hinlegen, fallen sie nur in eine Art Traumzustand. Sie träumen jedoch nicht von der Welt, sondern von Gott im Inneren. So wie ihr manchmal Visionen während er Meditationen habt, fahren sie in diesem Zustand damit fort, während der Körper auf dem Bett liegt. Die Seele bleibt oben, anstatt nach unten zu sinken und ist frei, sich drüben zu erfreuen. Dieser Zustand muss erlernt werden, und solche Leute gibt es, aber nur wenige bis jetzt, und ihr alle sollt euch daran erfreuen.