[Erlebnisse und Erfahrungen ]

Praktische Lektionen
Wirkliches Dienen und Geben trägt reiche Früchte


Als ich das erste Mal etwas über Sant Mat las und dann auch einige Leute kennenlernte, die meditierten und nach den Prinzipien dieses Weges zu leben versuchten, hat mich dies sehr angezogen. Auch der Meister Sant Thakar Singh, den ich auf einem Video sah, hat mich irgendwie tief berührt. Trotzdem hatte ich auch Berührungsängste nach all dem Geschreibsel über Sekten und über die Gefahr, in fremden Bann zu geraten.
Schließlich entschloss ich mich dann doch für diesen spirituellen Weg, ließ mich initiieren und wurde ein Schüler des Meisters - jedoch nicht ohne vorher genau ein paar Sachen gecheckt zu haben. Wie ist das mit dem Geld, den Spenden? dachte ich bei mir. Da werden Zusammenkünfte organisiert, Seminar- und Meditationshäuser betrieben und es gibt eine Menge an kostenlosem Info-Material; woher nehmen "die" das Geld? Aber scheinbar erhalten sie mehr als genug, denn niemand hatte mich je darauf angesprochen, das Thema wurde total ausgeklammert. Doch ich las darüber in Schriften von Sant Kirpal Singh, dass jeder Mensch zehn Prozent seines Einkommens für das Wohl der anderen geben sollte, weil alle Menschen Brüder und Schwestern sind. Da stutzte ich erst einmal. Zum einen rechnete ich gleich mal nach; zehn Prozent, das schien mir ein hoher Geldbetrag zu sein, und das Gefühl, dass alle Menschen meine Brüder und Schwestern sind, hatte ich auch nicht.
Im Laufe der Zeit begann ich mich an den Meditationen zu erfreuen, mehr vom spirituellen Leben und den Gesetzen des Karmas, des Gebens und Nehmens zu verstehen und begann damit, auch regelmäßig etwas zu spenden.

Als ich einmal in Indien im Ashram war und wir zu einem Ort fuhren, an dem der Meister Satsang hielt, kamen Bettler zu unserem Wagen.
Einige verarmte Frauen hielten uns Kleinkinder mit verstümmelten Füßen entgegen und deuteten mit der Hand zum Mund - Essen. Ich kramte einige Rupien-Scheine aus meiner Hosentasche und gab sie ihnen;
als noch mehr Bettler kamen, gab ich ihnen alles, was ich dabei hatte, weil ich mir dachte, für mich bedeutet dies kein großer Verlust, aber diese armen Menschen könnten davon wieder eine Woche leben. Der Meister saß auch in dem Kleinbus und sprach mit den Frauen. Sie wurden sehr ärgerlich, machten abweisende Handbewegungen und gingen lachend zum nächsten Auto. Später fragte ich den Meister, was er denn mit den Frauen geredet hätte. Er sagte: Schau, ich habe diese Leute eingeladen, zu uns in den Ashram zu kommen. Ich habe ihnen angeboten, für Unterkunft und Verpflegung zu sorgen, wenn sie die heiligen Schriften studierten und acht Stunden am Tag meditierten. Ich wollte ihnen helfen - sie lachten über mich. Aber du hast ihnen und dir geschadet." "Warum?" fragte ich erstaunt. "Weil Du ihnen Geld gegeben hast. Sie haben ihre Kinder absichtlich verstümmelt, um beim Betteln Mitleid zu erregen; das kommt in Indien oft vor, obwohl es unter strenger Strafe steht. Du hast Schuld auf dich geladen, weil du sie in ihrem Tun bestärkt hast - andere werden es ihnen nachmachen. Und du hast ihnen geschadet, weil der erhaltene Reichtum ihr Herz verhärtet und das Gefühl der Liebe, der Reue und Zuneigung zu ihren gequälten Kindern verschüttet. Du warst unwissend, aber das Gesetz des Karmas ist hart. Wenn du anderen helfen willst, dann handle im Auftrag des Meisters. Denn er ist kompetent, die Karmas zu handhaben, so dass der Dienst für den Dienenden und den Bedienten einen wirklichen Segen bringt. Ansonsten verstricken wir uns nur in gegenseitigen Verpflichtungen." "Wie kann ich im Auftrag des Meisters handeln?" fragte ich. "Indem du meditierst und die Dienste ausführst, die der Meister in seinem Werk anbietet. Denn der Meister dient den Menschen; nur dafür lebt er, ansonsten braucht er nichts für sich selbst, gar nichts. Und ohne Meditation können wir nicht dienen lernen, sondern werden nur im Ego agieren." Wieder einmal hatte ich eine wichtige Lektion gelernt.

Eines Tages rief der Meister alle anwesenden Besucher zusammen und forderte sie auf, ein an den Ashram grenzendes Grundstück zu roden und die Erde abzutragen. Nach den vielen Tagen des ausschließlichen Meditierens war das eine willkommene Abwechslung. Wir schaufelten Erde in Metallschüsseln und trugen diese, sie wie die Inder auf den Köpfen haltend, weg. Es war ganz schön anstrengend, in der Hitze so zu arbeiten, aber es tat mir gut. Meine Kondition war jedoch gering, und so wollte ich bald wieder aufhören. Doch da stand der Meister und blickte mich an. Da machte ich weiter. Nach der Teepause reichte es mir aber. Die anderen arbeiteten weiter und ich blieb sitzen. Da kam der Meister auf mich zu und fragte mich, ob ich krank sei. Ich verneinte. Er meinte, ich sei doch jung und sollte kräftig und stark sein, außerdem müsse die Arbeit beendet werden, damit wir wieder meditieren könnten. Jetzt war das kein Spaß mehr und ich wollte ja nicht Mr. Universum werden. Außerdem, wenn wir so weiterarbeiteten, brauchten wir ja noch Tage, dachte ich. Mir kam eine Idee. Ich ging zum Meister und erklärte ihm, dass hier alle völlig uneffektiv beschäftigt seien. Ich bot mich an, Schubkarren zu besorgen oder zu bauen oder vielleicht einen kleinen Bagger zu mieten, damit dies alles viel schneller ginge - denn Meditieren sei doch wichtiger.
Da gab mir der Meister eine Blechbüchse in die Hand und meinte, das hier sei das beste Werkzeug für mich. Ich brauchte nicht schwer tragen, müsse halt dann dreimal so schnell laufen wie die anderen...
...außerdem gebe es hier keine Bagger zu mieten und Material für einen Schubkarren auch nicht. Etwas verdutzt ließ er mich stehen.
Am Abend war Satsang und der Meister strahlte und verkündete sehr zufrieden, dass wir alle heute etwas Großartiges vollbracht hätten. Wir hätten für unseren Körper etwas getan, etwas an Demut erlangt und zu dienen begonnen und er hätte/habe am härtesten gearbeitet, denn er hatte viel von unserem Karma übernehmen müssen. Jetzt würden unser Meditationen noch größere und schnellere Früchte tragen, sagte er.
Dann kam verspätet eine westliche Besucherin, sie hatte den Satsang verschlafen. "Wo warst du den ganzen Tag, meine Liebe, ich habe dich vermisst?" fragte sie der Meister. "Ach Meister, ich mache genug Seva zu Hause. Ich diene meiner Familie und möchte mich hier ausruhen und nur meditieren. "Mein Kind", erwiderte der Meister liebevoll, "es ist sehr begrüßenswert, wenn du in Liebe und Gedenken an Gott deiner Familie dienst. Aber das ist deine natürliche Pflicht als Ehefrau und Pflicht aus Nächstenliebe. Wenn du dies nicht tust, verstößt du gegen das Prinzip des Nichtverletzens. Seva aber ist das, was wir darüber hinaus im Werk des Meisters tun, und dafür werden wir besonderen Segen erhalten. Wenn es irgendwo einen Seva zu tun gibt, solltet ihr rennen, um ihn als erster tun zu dürfen, denn Seva befreit euch von so vielen Schwierigkeiten, welche die Meisterkraft für euch übernimmt, und lässt euch erfahren, wo ihr in eurer Entwicklung steht. Denn ihr müsst mit anderen zusammenarbeiten, und dabei wird euer Ego von Stolz und Verhaftetsein gereinigt, und Demut und Hingabe werden entstehen. Eines Tages werdet ihr nur noch meditieren und anderen dienen wollen, und das wird euer Leben wirklich bereichern."